allegro
Hintergründe
Warum ist das alles so?
Muß man wissen, was
dahinter steckt?
Ist nicht
eine Software einfach out, die nicht alle Funktionen intuitiv
erfaßbar und durch wenige Mausklicks erreichbar macht, und für die man
sogar manchmal noch ein Systemhandbuch benötigt?
Man muß
wohl nüchtern feststellen, daß komplexe Werkzeuge ohne Kenntnisse und
ohne Einarbeitung nicht angemessen genutzt werden können. Dies gilt
auch für Windows im Allgemeinen, für Word und Excel im Besonderen, auch
wenn es nicht jedem bewußt wird und die Industrie diese Erkenntnis
nicht fördert. Aber das ist hier nicht das Thema.
Zuerst
eine allgemeine Bemerkung.
Bibliotheken sammeln und bewahren das aufgezeichnete Wissen der Welt
aus allen Zeiten
und Regionen und zu allen Themen und machen es verfügbar. Zu erwarten,
das
könne ganz einfach sein oder eine Maschine könne es fast vollständig
erledigen, ist naiv. Und wer die Mühe scheut, sich Kenntnisse
anzueignen, wer lieber mit einer Black Box arbeiten will, kann kein
mündiger Anwender werden, sondern wird abhängig bleiben und die
Software (jede Software) nur zu einem Bruchteil nutzen können. Er lebt
sogar gefährlich, denn ein Minimum an Kenntnissen
über Daten und Dateien muß einfach jeder haben, der einem Computer
irgendetwas Wichtiges anvertraut. Was Daten und Dateien eigentlich
genau sind, können wir in diesem Text nicht von Grund auf vermitteln!
Wer sich da unsicher ist, sollte unbedingt zu einem einschlägigen
Lehrbuch greifen, z.B. so etwas wie "PC für Dummies" (gar kein
schlechtes oder albernes Buch übrigens).
In diesem
Text wird ein Versuch gemacht, die datentechnischen Grundlagen von allegro-C in neuer
Weise
zu vermitteln. Wer bereits als "Nur-Anwender" mit dem System arbeitet,
hat
sicher dabei den einen oder anderen Aha-Effekt, aber auch
Systemverwalter, die nur mit anderen Datenbanken vertraut sind und allegro als exotisch empfinden,
können hoffentlich profitieren.
Zielgruppe
dieses Textes sind ungefähr
alle, denen das Wort "Parametrierung" noch nicht viel sagt. Nicht alles
wird "ankommen" oder "hängen bleiben", aber wer wird das bei solcher
Materie erwarten. Auch wenn die Windows-Programme sehr viele Funktionen
an der Oberfläche auf Mausklicks reduzieren, ist ein Wissen um einige
Hintergründe immer noch sinnvoll und nützlich.
Wer allerdings noch unsicher ist, was denn Daten
wirklich
sind und aus was Dateien eigentlich bestehen, und was für
Dateien
es im allegro-System gibt, für den gibt es noch eine voraussetzungsarme Einführung, die man vorher
lesen
sollte.
Daten kann man nicht sehen, das ist das Problem.
Sonst wäre
es viel leichter, darüber zu reden.
Aber man
sieht sie doch auf dem Bildschirm? Da sieht man nur Leuchtspuren eines
kompliziert herumschwirrenden Elektronenstrahls, weiter nichts,
hervorgerufen durch den Ablauf von Programmen. Das sind nicht
die Daten.
Das Bild,
das man auf dem Schirm erblickt, das ist also nicht die Datenbank. Das Bild wird
gezeichnet von einem Programm, das auf die Datenbank zugreift. Das Bild
auf dem Windows-Schirm (Programme a99 oder alcarta)
sieht ganz anders aus als das DOS-Bild (Programm PRESTO; wählen Sie
einmal den Menüpunkt "Datei / DOS-Programm", wenn Sie es noch nie
gesehen haben). Hier ein Beispiel, wie ein
Datensatz auf dem dem Katalognutzer erscheinen könnte:
Schulz, Klaus-Peter:
Signatur: RM 31
Kurt
Tucholsky in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten /
Klaus-Peter
Schulz. - 36.-43. Tsd.
Reinbek : Rowohlt, 1964. - 184 S.
(Rowohlts
Monographien ; 31)
Pers.Schlagw.: Tucholsky,
Kurt
Die
DOS-Version und die Windows-Version, das sind jedoch nicht zwei
verschiedene Datenbanken! Es sind nur zwei verschienene Programme,
die auf den Bildschirmen gleichzeitig
unterschiedliche Bilder vom selben Objekt (von denselben Daten)
erscheinen
lassen.
Noch
anders
gesagt: die Daten sind nicht irgendwie im Programm
gespeichert
oder damit fest verbunden (auch solche Ansichten hat man schon
gehört!),
sie stehen in Dateien, die von den Programmen völlig getrennt sind.
Eben
deshalb können ja verschiedene Programme gleichzeitig zugreifen.
Deshalb
kann man auch eine neuere Programmversion einfach über die alte
kopieren,
ohne den Daten zu schaden.
Was ist nun
aber wirklich gespeichert in den Dateien der Datenbank? Im Fall unseres
Beispiels sieht das ganz anders aus als das Bild oben:
20 Kurt Tucholsky
in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten
40 Schulz,
Klaus-Peter
31p_tucho
71 36.-43. Tsd.
74 Reinbek
75 Rowohlt
76 1964
77 184 S.
85 Rowohlts
Monographien ; 31
90 RM 31
Das ist einDatensatzim
internen "Format". Mehr wurde nicht eingegeben und mehr steht da nicht
drin, auch unter Windows nicht. Das ist also nichts weiter als eine
Zeichenfolge, die durch einige Nummern unterteilt ist! Diesen Datensatz
können Sie in der Demo-Datenbank besichtigen.
Eine Besonderheit: Im Feld 31p
(Personenschlagwort)
steht "_tucho". Das ist eine Verknüpfung zu einem
Namensstammsatz, in dem der tatsächliche Name steht: "Tucholsky, Kurt".
Statt des Kürzels
"_tucho" könnte da auch eine Nummer stehen. Unten im
Anzeigebild sieht man, wie das Programm diesen Namen automatisch
einblenden kann; gespeichert ist er nur im Stammsatz.
Ein Datensatz ist noch keine Datei,
sondern er steckt (bei allegro) zusammen mit vielen anderen
Datensätzen in einer Datei - so wie ein Katalogzettel mit vielen
anderen in einer Schublade oder ein Formular mit vielen anderen in
einem Ordner. Die Schublade oder der Ordner, dasist die Datei.
(Im Englischen ist das leichter zu verstehen: das Wort "file" bedeutet
sowohl "Datei" wie auch "Ordner", aber auch "Kartei".)
Man sieht
vom Datensatz aber eben normalerweise andere Bilder, siehe das Beispiel
oben.
Oder man
sieht z.B. eine Zeile im Register:
1 kommunale
sozialpolitik in vergleichender perspektive
1 konfliktverarbeitung
und staatsstruktur
1 kontaminationssensibilitaet
wasserwirtschaftlich
wichtiger grundwasser
1 kurt tucholsky in selbstzeugnissen und bilddokumenten
1 laermmesspraxis
1 landwirtschaft
1 language
of shakespeare
1 lebenswege
von frauen im ancien regime
Auch dies
machen alles nur die Programme. Diese Bilder sehen sehr viel anders aus
als der
Datensatz mit den Nummern, deshalb fragt man sich am Anfang doch, wo
sie
herkommen. Wie "weiß" das Programm, daß bei der Nummer 85 ein
Serientitel
steht? Wie weiß es, wo dieser in den anderen Bildern hingehört, und daß
er in Klammern gehört - denn z.B. die Klammern stehen gar nicht drin im
Datensatz?
Wie kommen die Eintragungen in den Registern zustande? Sind diese
Einzelheiten
alle fest in ins Programm eingebaut? Keineswegs, und das ist jetzt sehr
wichtig: Die Programme, ob DOS oder Windows, "wissen"
solche Dinge
überhaupt nicht. Die Programme können aber gewisse Vorschriften
ausführen, in denen z.B. steht, daß die Nummer 85 "Serientitel"
bedeutet und daß dieser im Anschluß an die Nummer 77 (die bedeutet
"Umfangsangabe") ausgegeben werden muß, auf neuer Zeile und in runden
Klammern.
Wir müssen
daher drei verschiedene Dinge auseinanderhalten:
1. Die
eingegebenen Daten (Datensätze in
Form von Listen mit numerierten Angaben, siehe oben)
2. Die
Programme, die darauf zugreifen und verschiedenste Bilder davon
anzeigen: mal mit, mal ohne die Nummern! Auch ein Register ist nur ein
Bild, das Teile von Datensätzen zeigt, und nicht die Sätze selbst.
3. Vorschriften,
die den Programmen sagen, wie sie das alles machen sollen.
Weil sie das von selber nicht können.
Die
Programme sind also neutral. Mit den nackten Datensätzen allein können
die Programme nichts anfangen, sie brauchen die Vorschriften dazu, und
jede Datenbank kann ihre eigenen Vorschriften haben. So ist es möglich,
daß mit denselben allegro-Programmen Datenbanken
betrieben werden, die ganz verschieden aussehen, bis hin zu Daten mit
chinesischen und japanischen Schriftzeichen, obwohl die allegro-Entwickler
von diesen Sprachen nichts
verstehen.
Die Vorschriftensind das wahre Geheimnis des Systems, das wichtigste Konzept von allegro : erst dadurch wird es flexibel.
Für
Systemleute: hinter oder
unter allegro steckt kein
relationales Datenbanksystem, sondern es ist ein
eigenes,
andersartiges Konzept.
Jedes Datenbanksystem verfügt über ein System von
Vorschriften für den Umgang mit konkreten Daten, nur werden sie nie
"Vorschriften" genannt, auch bei allegro nicht. Man findet die
verschiedensten Namen, z.B. "Syntaxtabellen" oder "Skripte" oder
"Schablonen" oder "Parameter". Nur nicht "Vorschriften", obwohl das ein
genau passendes Wort wäre.
Eine allegro-Datenbank
braucht mehrere Arten von Vorschriften:
1. Für die Datenstruktur
: die Konfiguration, das ist eine Datei vom Typ CFG; darin
steht hauptsächlich, welche Felder
ein Datensatz haben kann. Die meisten Anwender benutzen die
Konfigurationsdatei A.CFG (oder $A.CFG). In der
Konfiguration steht aber nichts über die Register
oder über die Bildschirmanzeige, das machen andere Vorschriften:
Die
anderen
drei Arten von Vorschriften müssen natürlich auf die Konfiguration
abgestimmt
sein:
2.
Datenausgabe: solche
Vorschriften heißen Exportparameter. Dazu gehört auch die Bildschirmanzeigevon Datensätzen, wie oben zu sehen.
Solche Dateien sind vom Typ .APR, wenn man A.CFG verwendet, vom Typ
.BPR, wenn man B.CFG verwendet, usw. Will man eine anders gestaltete
Anzeige, muß man sich also um die Anzeigeparameter kümmern.
3. Register: Vorschriften für den Index heißen Indexparameter
und stehen in einer Datei vom Typ .API (bzw. .BPI, wenn man B.CFG
verwendet, usw.) Darin steht, was für Register die Datenbank haben
soll, welche Datenfelder indexiert werden sollen, und alle
Einzelheiten, wie das gemacht werden soll. Will man anders gestaltete
Register, muß man sich also um die Indexparameter kümmern.
4. Fremddaten-Umwandlung: Für jedes Fremdformat braucht man eine
eigene Vorschrift, die man Importparameter nennt. Das sind
Dateien vom Typ .AIM (bzw. .BIM, wenn man B.CFG verwendet, usw.)
Jetzt
schwirrt Ihnen der Kopf?
Das ist
doch alles viel zu abstrakt? Dann müssen wir uns eine
Abschweifung leisten. Vielleicht wird es mit einem Denkmodell klarer,
das ohne Computer auskommt. Das Modell arbeitet mit besonderen
Formularen. Eine leeres Formular sieht so aus:
Feld
W Inhalt
____________ ___
____________________________
____________ ___
____________________________
____________ ___
____________________________
____________ ___
____________________________
____________ ___
____________________________
____________ ___
____________________________
____________ ___
____________________________
____________ ___
____________________________
In die
Spalte links trägt man Feldbezeichnungen ein, in die
ganz schmale Spalte kommt eine Wiederholungsziffer,
wenn ein Feld mehrfach auftritt, um es von anderen, gleichnamigen
Feldern zu unterscheiden. Man
beachte: vorgedruckt ist nichts, und zwar damit man die Felder alle
ausnutzen
kann. Ein Formular mit fest vorgegebenen Feldern hätte in der Praxis
immer
irgendwelche leeren Felder, weil nicht jedes Datenfeld jedesmal
gebraucht
wird, viele sogar sehr selten! Ein ausgefülltes Formular sieht so aus:
(Mehrfachbelegung kommt hier nur bei "Verf." vor)
IdNr 123456
Titel Die
Geschichte der
Shakespeare-Rezeption
Verf. Steiger,
Klaus-Peter
Verf. 2 Günther, Alfred
Ort Stuttgart
Verlag
Kohlhammer
Jahr 1987
Umfang
230 S.
Serie
Sprache und Literatur
; 123
ISBN 3-17-009426-2
Sign.
SH-4321
Für
Systemleute: hier liegt ein
ganz großer Unterschied zu relationalen Datenbanken; die haben feste,
vorgedruckte Formulare, Tabellen mit vielen Spalten. Abgesehen vom
Platzverbrauch hat man dabei immer große Probleme mit
Feldlängen, mit selten belegten Feldern, Mehrfachfeldern, interner
Struktur von Feldern u.a., aber auch mit der Indexierung von Feldbestandteilen
und Stichwörtern. Für allegro alles kein Thema, denn es
ist von Grund auf anders konzipiert.
Ein
anderes
Formular könnte so aussehen: (hier ist "Schlagwort" dreifach belegt)
IdNr.
987654
Titel Das
Zeitalter der
Extreme : Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts
Original
The age of extremes : The short twentieth century 1914-1991
Verf. Hobsbawm,
Eric
Übers.
Badal, Yvonne
Ort München
Verlag
Hanser
Jahr 1995
Schlagwort Zeitgeschichte
20. Jahrhundert
Schlagwort
2
Kalter Krieg
Schlagwort 3 Weltgeschichte
Umfang
783 S.
Sign.
GE-5678
Man sieht:
es können unterschiedliche Felder auftreten, es bleibt aber kein Feld
leer,
höchstens am unteren Ende; das kostet in der Realität keinen
Speicherplatz.
Die Feldbezeichnungen nennen wir kurz "Kategorien".
Der
Ordnung halber müssen wir uns eine Liste der erlaubten Kategorien
aufstellen;
ein sehr wichtiges Dokument.
Aber halt!
Man merkt sehr schnell: es kostet unnötig Platz, immer die
Feldbezeichnungen
im Klartext hinzuschreiben, außerdem erschwert es die Benutzung durch
Personen, die nicht Deutsch können. Eleganter ist es, schlichte Nummern
zu verwenden. Dann könnte das zweite Formular so aussehen, wenn man
z.B. 20 für "Titel", 74 für "Ort" festlegt usw.:
00 987654
20 Das Zeitalter der Extreme
: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts
22 The
age of extremes : The short twentieth century 1914-1991
40 Hobsbawm,
Eric
47 Badal,
Yvonne
74 München
75 Hanser
76 1995
31 Zeitgeschichte 20. Jahrhundert
312 Kalter
Krieg
313 Weltgeschichte
77 783 S.
90 GE-5678
Man hat
nun
weniger zu schreiben und braucht weniger Platz, aber keinen Verlust an
Präzision.
In unsere
Liste der erlaubten Kategorien schreiben wir die Bedeutung dieser
Nummern. Dann braucht man nur die Liste zu übersetzen, damit
anderssprachige Nutzer mit dem Katalog umgehen können.
Dieser
Punkt,
nebenbei gesagt, stößt Datenbankleuten immer besonders sauer auf,
besonders
wenn sie auf XML eingeschworen sind. Es ist aber so, daß die Nummern,
die
man erfahrungsgemäß schnell lernt, eine unschlagbar kurze, effiziente
Sprache
bilden, mit der sich Katalogisierer viel besser und präziser
verständigen
können als mit verbalen Bezeichnungen. Als Programmierer ist man
ebenfalls
froh, z.B. nur #22 schreiben zu müssen als jedesmal "UniformTitle" oder
sowas.
Die Liste der erlaubten Kategorien enthält auch Angaben, welche Nummern
mehrfach
auftreten dürfen, wie z.B. 40 oder 31, und andere Angaben. Um einen
Begriff
zu haben, wollen wir die Liste Konfiguration
nennen, und sie könnte ungefähr so aussehen: (die vollständige Liste
findet man in der Konfigurationsdatei $A.CFG)
#00
"Identifikationsnummer"
#20 "Titel"▼M
#30 "Nebentitel"
#22
"Originaltitel
(Einheitstitel)"
#31 "Schlagwort"
#40 "Verfasser"▼M23
#41 "Herausgeber"▼M2
#47 "Übersetzer"
#74
"Erscheinungsort"
#75 "Verlag"
#76
"Erscheinungsjahr"
#77
"Umfangsangabe"
#85
"Serie"▼M2
#90
"Signatur"
▼M23 bedeutet, es können ein zweites und ein
drittes Feld vorkommen und in die Wiederholungsspalte muß dann 2 bzw.
3; ein schichtes M heißt aber: keine Wiederholung möglich
(Wiederholungszeichen dann 2,3,...., A,B,C,...).
Gar keine
Angabe mit ▼M heißt aber: beliebige Wiederholung möglich
(Beispiel ist hier #20)!
Was soll
das Zeichen #? Es ist praktisch, die Nummern mit einem
besonderen Zeichen zu markieren, damit man es in jedem Zusammenhang
sofort erkennt, wenn von diesen Nummern die Rede ist. Meistens wird
dazu das Doppelkreuz # benutzt. (Daher kommt es übrigens, daß das allegro-Logo
ein großes Doppelkreuz ist.)
Warum
sollte man diese Dinge so penibel genau vorgeben? Dazu kommen wir
jetzt.
Wir
stellen
uns dazu mal vor, wir hätten zwar keinen Computer, aber dafür billiges,
fleißiges, jedoch nicht besonders intelligentes Personal. Der ideale
Bibliotheksknecht kann lesen, abschreiben und alphanumerisch sortieren
(Zeichen für Zeichen), braucht aber vom Inhalt der Bücher nichts zu
verstehen. Er muß nur Vorschriften ausführen können. Diese Vorschriften
müssen einfach deshalb sehr genau sein, damit er nichts falsch machen
kann, auch wenn er vom Sinn der Dinge nichts kapiert.
Der Betrieb läuft dann so: wir schreiben selber die Formulare, aber alles andere sollen die Knechte machen. Sie sollen die Formulare schlicht in der Reihenfolge der Nummern in Ordnern (= Dateien) abheften. Zum Benutzen des Katalogs wollen wir nicht immer in den Raum wandern müssen, wo dieser steht. Die Knechte sollen uns jedes Mal diejenigen Blätter heraussuchen und bringen, die von Interesse sind. Was wir dafür nur brauchen, sind gute Register. Im Register sollen die Nummern der Blätter stehen, so daß ein Knecht dann diese Seiten holen kann.. Oder noch besser (der Mann ist ja billig): er soll die Blätter lieber drin lassen (denn sonst könnte in der Zwischenzeit jemand anders sie nicht finden, und man müßte sie jedes Mal zurücksortieren) und soll nur diejenigen Einzelheiten abschreiben, die wir dann brauchen.
Wir müssen
für unsere Knechte also mindestens zwei Vorschriften
ausarbeiten: eine für das Anlegen der Register und eine für das
Aufschreiben der Einzelheiten, die wir jeweils sehen wollen,
wenn wir einen Auftrag geben, etwas aus dem Katalog zu holen. Diese
Vorschriften können, weil wir das Nummernschema haben, sehr einfach und
trotzdem präzise aussehen, d.h. wir müssen nicht viele Worte machen.
Genügen würde eine Liste wie zum Beispiel diese:
|1="Personennamen"
Das bedeutet: Register 1 hat den Titel "Personennamen"
|4="Titel"
|3="Schlagwörter"
|6="Verlage"
#20 "|4"
das heißt: sortiere den
Inhalt von #20 ins Register 2
#22 "|4"
und den von #22 ebenfalls
#31. "|3"
#31. heißt: wenn mehrere #31 vorkommen, alle gleich behandeln
#40. "|1"
genauso geht's mit der #40 und Register 1
#47 "|1"
#41. "|1"
#75 "|6"
Statt
"Registervorschrift" können wir auch sagen: Indexparameter. Die
meisten Anwender nutzen die Index-Parameterdatei CAT.API. Da steht
allerdings SEHR viel mehr drin, denn es gibt sehr viele Sonderwünsche
für die Register. Beispielsweise soll bei Titeln der Artikel am Anfang
wegfallen! Dazu muß in der Vorschrift stehen:
#20 u "|4" (Das u ist der Befehl "Artikel weglassen". Mehr dazu
siehe unten.)
Und nun
zur
Vorschrift für die Titelaufschreibung, oder vornehmer: Anzeigeparameter:
#40 P": "
#20
#41 p" / hrsg.
von: "
#47 p" (übers.
von:" P")"
#74 C
#75 p" : "
#76 p", "
#77 p". - "
#31 C
p"Schlagwort: "
#90 C p"Signatur:
"
Der Knecht
weiß, wie man diese Vorschrift lesen muß: die hier angegebenen
Kategorien sollen in dieser Reihenfolge vom Formular abgeschrieben
werden, also
#40, #20,
#22, ....
Dabei soll
er noch ein paar verschlüsselte Regeln anwenden: C bedeutet "neue
Zeile", p"`:`" heißt, daß vordas
Element die Interpunktionszeichen "`:`" zu setzen sind, und P")" bedeutet., es
soll eine
Klammer dahinter. (Das kleine p soll heißen "davor", das große P
heißt
"dahinter"!)
Dann kommt
für das zweite Beispiel folgendes heraus:
Hobsbawm, Eric: Das
Zeitalter der Extreme : Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (übers. von
Badal, Yvonne)
München : Hanser, 1995. -
783 S.
Schlagwort: Weltgeschichte
20. Jahrhundert
Signatur: GE-764
Solche
Vorschriften könnte sogar ein Gehilfe ausführen, der überhaupt nicht
richtig lesen, sondern der nur Buchstaben und Ziffern vergleichen und
kopieren kann. (Wie z.B. ein Computer.)
Solche
Vorschriften, das ist ein weiterer ganz großer Vorteil, können leicht
geändert werden,
ohne daß man die Daten oder die Formulare ändern muß.
Warum hat
nie eine Bibliothek in dieser Weise gearbeitet? Weil menschliche
Arbeitskraft dafür eben doch immer zu teuer und zu langsam war. Mit
Computern aber kann man genau so (aber auch kaum anders) arbeiten, denn
ihre Leistung ist konkurrenzlos billig. Und Zeichen vergleichen,
kopieren und sortieren können sie astronomisch schnell - mit
Verständnis lesen dagegen überhaupt nicht. Deshalb sind die hübsch
einfach aussehenden Vorschriften in Wirklichkeit noch nicht genügend
genau. Etwa die Vorschrift, die Titel ins Register 4
zu sortieren. Dabei würde der Titel "Das Zeitalter der Extreme"
unter D landen, ziemlich weit weg von Z, wo man ihn gewohnheitsmäßig
suchen würde. Eine Vorschrift "Artikel übergehen" kann man für Knechte
ohne höheres Sprachverständnis aber nicht formulieren, zumal manchmal
ein wie ein Artikel aussehendes Wort gar kein Artikel ist. Hier hilft
nur, die Daten von vornherein genauer aufzuschreiben, und zwar den
Artikel eindeutig zu kennzeichnen. Wenn man das so macht: ¬Das¬
Zeitalter der Extreme, dann kann
weder ein Knecht noch ein Computer etwas falsch machen, wenn man ihm
sagt: was
zwischen ¬...¬ eingeschlossen ist, wird nicht mitsortiert! In der
Kurzschrift
der Parameter sieht das dann so aus (das 'u' ist die Anweisung,
die
Teile zwischen ¬...¬ wegzulassen):
#20 e" :
" u p"|4" .
Hier ist
gleich noch eine Vorschrift eingebaut: die Angabe e" : " bedeutet: Ende
der Registerzeile bei "Spatium Doppelpunkt
Spatium". Der Titelzusatz soll also nicht mit ins Register, nur der
Haupttitel.
Diese
wenigen Überlegungen lassen erahnen, daß man die Vorschriften für die
Register,
aber auch für die Anzeige, noch stark erweitern muß, wenn alle
Eventualitäten berücksichtigt werden sollen. Nicht nur bei allegro,
sondern bei jedem System, das mit Bibliotheksdaten hantiert, findet man
irgendwo
solche Vorschriften; manchmal sind sie sehr verborgen und unzugänglich,
aber
es muß sie geben. Die Beispiele oben sind formuliert in der sog.
Exportsprache des allegro-Systems; diese Sprache gilt natürlich
nur für allegro.
Zum
Abschluß drei Verständnisfragen, die Sie jetzt leicht beantworten
können:
Was ist zu
tun,
Hier die
Antworten:
Am schnellsten kommt man an diese Dateien heran, wenn man das "Administrator-Menü" benutzt: Geben Sie im Schreibfeld ein: h adm, dann erscheint es.