Was ist das? Wird dort der Bibliothekskatalog so
wichtig genommen? Wogegen hierzulande meistens sogar die
Hochschulbibliothek selber gar nicht auf der Homepage der
Universität auftaucht...
Ein Mißverständnis! Mit Catalog meint in den USA
zwar die Bibliothek ihren Bücherkatalog, aber die Universität
meint mit demselben Wort ihr Vorlesungsverzeichnis.
Hinweise zum Thema e-Learning auf einer Sonderseite!
Damit solcherlei Verwirrung hier erst gar nicht aufkommt, hat die
Braunschweiger Universitätsbibliothek jetzt einen neuen Schritt
gewagt: sie hat beides vereinigt, Bücherkatalog und Vorlesungsverzeichnis!
Und warum auch nicht - für die StudentInnen sind Bücher und
Vorlesungen Quellen des Lernens. Beides fliegt einem nicht einfach so
zu,
sondern man muß diese Quellen erst finden. Und dazu waren
bisher
jene zwei verschiedenen Datensysteme nötig - jetzt findet man
beides in einem. Eine Brücke wurde also gebaut und ein Tor
aufgestoßen
zwischen diesen zwei Umgebungen, daher der etwas pompöse und
natürlich nicht sehr ernst gemeinte Name des Projekts.
Die Idee zu dieser Innovation keimte auf, als man bemerkte, daß es
zu vielen Vorlesungen mittlerweile auch Material im Internet gibt,
meistens auf den Servern der Institute. Leider aber in
verschiedensten Dateiformaten und in unterschiedlichster Weise
gestaltet und oft gar nicht leicht zu finden. Das Beschaffen,
Nachweisen und Bereitstellen von Lernmaterial ist aber immer schon
Aufgabe der Bibliotheken. Die
Wunschvorstellung bildete sich heraus, systematisch die Materialien zu
den Vorlesungen und
Übungen zu digitalisieren, wo das noch nicht geschehen ist, und
alles auf einheitliche und einfache Weise auffindbar zu machen. Diese
Idee ist an sich nicht neu: Das Massachusetts Institute of
Technology (MIT) hat genau dies seit Jahren betrieben. Man hat
inzwischen hunderte von Vorlesungsskripten digitalisiert und unter dem Titel OpenCourseware frei
zugänglich im Internet bereitgestellt. Dabei hat man jedoch den Schritt einer Zusammenführung von Catalog und Catalog seltsamerweise noch nicht vollzogen.
In Braunschweig ist dies dagegen der erste Schritt, dem eine
großangelegte Aktion zur Erfassung und Digitalisierung der
Materialien noch folgen muß und nach dem Willen der
Hochschulleitung auch folgen soll, denn man hat das erfolgreiche Beispiel des MIT durchaus vor Augen.
Wie die Sache genau funktioniert, das wird die StudentInnen viel
weniger interessieren als das Ergebnis. Nun ist es möglich, z.B.
einfach "vorlesung vollmer" einzugeben, wenn man schauen will, welche
Vorlesungen Professor Vollmer hält. Oder "übung jahn", wenn
man sucht, wo und wann Frau oder Herr Jahn ihre/seine Übung
abhält. Oder "vorlesung analysis" bzw. "übung algebra", wenn man die
betr. Lehrveranstaltungen zum Thema Analysis bzw. Algebra finden will.
Aber noch mehr:
Wenn man z.B. "bodenphysik" eintippt, findet man unter den Büchern
zu diesem Thema plötzlich auch den Hinweis auf eine Vorlesung mit
diesem Titel. Gibt man in einer Personensuche "vollmer, gerhard" ein, findet man die Bücher und
die Vorlesungen von Professor Vollmer. In solchen Beispielen zeigt sich
schon ein Mehrwert dieser Geschichte. Ein neugeschaffenes Icon zeigt
sofort
an, daß es sich bei einem Fund nicht um ein Buch, sondern um eine
Lehrveranstaltung handelt:
Alles das wäre zwar nett, aber noch nicht allzu aufregend.
Doch es kommt ein weiterer Mehrwert hinzu: Jede Lehrveranstaltung ist
schon mit einem Hyperlink versehen, der einen geeigneten
Google-Suchbefehl aussendet und damit relevante Adressen in der
gesamten
Website der TU Braunschweig zutage fördert. Oft sind die besagten
digitalen Materialien schon darunter!
Obschon bereits nützlich, ist dies nur eine Vorstufe für ein
größeres Vorhaben. Die TU beschafft gerade ein geeignetes
Content Management System, auf dem schon bald die OpenSource-Software MyCoRe,
die an deutschen Universitäten entwickelt wurde und wird, zum
Laufen kommen soll. Diese Plattform wird es ermöglichen,
Lehrmaterial aller Art bis hin zu E-Learning-Kursen sicher zu speichern
und zuverlässig auffindbar zu halten.
Dann wird es z.B. auch so etwas geben wie Elektronische Semesterapparate
(in Essen entwickelt und erprobt), die nicht nur auf Bücher im
Präsenzbestand der Bibliothek hinweisen, sondern auch auf
Online-Materialien und auf brauchbare Web-Adressen. Zwar wird das
neue System auch
eigene Suchfunktionen haben, aber der Katalog wird die
übergeordnete
Instanz sein und bleiben, weil nur er alle Materialien einheitlich nachweisen kann, die gedruckten und die elektronischen.
Zum datentechnischen und organisatorischen Hintergrund: Für das Wintersemester 2004/05 werden im
offiziellen Verzeichnis ca. 2.900 Lehrveranstaltungen ausgewiesen. Die
aktuellen Daten, also Titel, Dozentennamen, Orte und Zeiten etc.,
wurden von der Abteilung 52 (Datenverarbeitung) der Hochschule
bereitgestellt. Die Bibliothek hat nicht
vor,
mit diesem neuen Angebot der Abt. 52 der TU-Verwaltung Konkurrenz zu
machen! Diese bleibt zuständig für das Sammeln und
Aufbereiten der Daten, und diese Arbeit könnte die UB keineswegs
übernehmen, zumal ja auch das Problem der Raumverteilung damit
verbunden ist. Die Bibliothek konnte ja erst aufgrund dieser Arbeit
das neue Angebot ohne hohen Aufwand entwickeln. Das gedruckte
Vorlesungsverzeichnis wie auch das Online-Verzeichnis
bleiben angewiesen auf das System der Datenerfassung und -verwaltung,
wie es sich schon lange bewährt hat. Eine Modernisierung ist aber
in dem Bereich ebenfalls geplant, und die Bibliothek wird sich an den
nötigen Überlegungen beteiligen, um die Vernetzung, wo immer
möglich, in Zukunft weiter zu verbessern.
Erste Reaktionen:Erfreute LeserInnen blicken auf den entfesselten Katalog. Irgendwie kommen Ihnen einige dieser Leute bekannt vor? Nicht ohne Grund, sie sind prominent...