Universitätsbibliothek Braunschweig

Projekt
Golden Gate
Illustrationen
allegro-Datenbank der Vorlesungen ab W.S.2004/05

Ein Bibliothekskatalog wächst über sich hinaus

Auf der Homepage amerikanischer Universitäten findet man gelegentlich einen Link

Catalog

Was ist das? Wird dort der Bibliothekskatalog so wichtig genommen? Wogegen hierzulande meistens sogar die Hochschulbibliothek selber gar nicht auf der Homepage der Universität auftaucht...

Ein Mißverständnis! Mit Catalog meint in den USA zwar die Bibliothek ihren Bücherkatalog, aber die Universität meint mit demselben Wort ihr Vorlesungsverzeichnis.
Hinweise zum Thema e-Learning auf einer Sonderseite!

Damit solcherlei Verwirrung hier erst gar nicht aufkommt, hat die Braunschweiger Universitätsbibliothek jetzt einen neuen Schritt gewagt: sie hat beides vereinigt, Bücherkatalog und Vorlesungsverzeichnis!
Und warum auch nicht - für die StudentInnen sind Bücher und Vorlesungen Quellen des Lernens. Beides fliegt einem nicht einfach so zu, sondern man muß diese Quellen erst finden. Und dazu waren bisher jene zwei verschiedenen Datensysteme nötig - jetzt findet man beides in einem. Eine Brücke wurde also gebaut und ein Tor aufgestoßen zwischen diesen zwei Umgebungen, daher der etwas pompöse und natürlich nicht sehr ernst gemeinte Name des Projekts.

Die Idee zu dieser Innovation keimte auf, als man bemerkte, daß es zu vielen Vorlesungen mittlerweile auch Material im Internet gibt, meistens auf den Servern der Institute. Leider aber in verschiedensten Dateiformaten und in unterschiedlichster Weise gestaltet und oft gar nicht leicht zu finden. Das Beschaffen, Nachweisen und Bereitstellen von Lernmaterial ist aber immer schon Aufgabe der Bibliotheken. Die Wunschvorstellung bildete sich heraus, systematisch die Materialien zu den Vorlesungen und Übungen zu digitalisieren, wo das noch nicht geschehen ist, und alles auf einheitliche und einfache Weise auffindbar zu machen. Diese Idee ist an sich nicht neu: Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat genau dies seit Jahren betrieben. Man hat inzwischen hunderte von Vorlesungsskripten digitalisiert und unter dem Titel OpenCourseware frei zugänglich im Internet bereitgestellt. Dabei hat man jedoch den Schritt einer Zusammenführung von Catalog und Catalog seltsamerweise noch nicht vollzogen. In Braunschweig ist dies dagegen der erste Schritt, dem eine großangelegte Aktion zur Erfassung und Digitalisierung der Materialien noch folgen muß und nach dem Willen der Hochschulleitung auch folgen soll, denn man hat das erfolgreiche Beispiel des MIT durchaus vor Augen.

Wie die Sache genau funktioniert, das wird die StudentInnen viel weniger interessieren als das Ergebnis. Nun ist es möglich, z.B. einfach "vorlesung vollmer" einzugeben, wenn man schauen will, welche Vorlesungen Professor Vollmer hält. Oder "übung jahn", wenn man sucht, wo und wann Frau oder Herr Jahn ihre/seine Übung abhält. Oder "vorlesung analysis" bzw. "übung algebra", wenn man die betr. Lehrveranstaltungen zum Thema Analysis bzw. Algebra finden will.
Aber noch mehr: Wenn man z.B. "bodenphysik" eintippt, findet man unter den Büchern zu diesem Thema plötzlich auch den Hinweis auf eine Vorlesung mit diesem Titel. Gibt man in einer Personensuche "vollmer, gerhard" ein, findet man die Bücher und die Vorlesungen von Professor Vollmer. In solchen Beispielen zeigt sich schon ein Mehrwert dieser Geschichte. Ein neugeschaffenes Icon zeigt sofort an, daß es sich bei einem Fund nicht um ein Buch, sondern um eine Lehrveranstaltung handelt:   lv

Alles das wäre zwar nett, aber noch nicht allzu aufregend. Doch es kommt ein weiterer Mehrwert hinzu: Jede Lehrveranstaltung ist schon mit einem Hyperlink versehen, der einen geeigneten Google-Suchbefehl aussendet und damit relevante Adressen in der gesamten Website der TU Braunschweig zutage fördert. Oft sind die besagten digitalen Materialien schon darunter!

Obschon bereits nützlich, ist dies nur eine Vorstufe für ein größeres Vorhaben. Die TU beschafft gerade ein geeignetes Content Management System, auf dem schon bald die OpenSource-Software MyCoRe, die an deutschen Universitäten entwickelt wurde und wird, zum Laufen kommen soll. Diese Plattform wird es ermöglichen, Lehrmaterial aller Art bis hin zu E-Learning-Kursen sicher zu speichern und zuverlässig auffindbar zu halten.
Dann wird es z.B. auch so etwas geben wie Elektronische Semesterapparate (in Essen entwickelt und erprobt), die nicht nur auf Bücher im Präsenzbestand der Bibliothek hinweisen, sondern auch auf Online-Materialien  und auf brauchbare Web-Adressen. Zwar wird das neue System auch eigene Suchfunktionen haben, aber der Katalog wird die übergeordnete Instanz sein und bleiben, weil nur er alle Materialien einheitlich nachweisen kann, die gedruckten und die elektronischen.

Zum datentechnischen und organisatorischen Hintergrund:
Für das Wintersemester 2004/05 werden im offiziellen Verzeichnis ca. 2.900 Lehrveranstaltungen ausgewiesen. Die aktuellen Daten, also Titel, Dozentennamen, Orte und Zeiten etc., wurden von der Abteilung 52 (Datenverarbeitung) der Hochschule bereitgestellt.
Die Bibliothek hat nicht vor, mit diesem neuen Angebot der Abt. 52 der TU-Verwaltung Konkurrenz zu machen! Diese bleibt zuständig für das Sammeln und Aufbereiten der Daten, und diese Arbeit könnte die UB keineswegs übernehmen, zumal ja auch das Problem der Raumverteilung damit verbunden ist. Die Bibliothek konnte ja erst aufgrund dieser Arbeit das neue Angebot ohne hohen Aufwand entwickeln. Das gedruckte Vorlesungsverzeichnis wie auch das Online-Verzeichnis bleiben angewiesen auf das System der Datenerfassung und -verwaltung, wie es sich schon lange bewährt hat. Eine Modernisierung ist aber in dem Bereich ebenfalls geplant, und die Bibliothek wird sich an den nötigen Überlegungen beteiligen, um die Vernetzung, wo immer möglich, in Zukunft weiter zu verbessern.

Erste Reaktionen: Erfreute LeserInnen blicken auf den entfesselten Katalog.
Irgendwie kommen Ihnen einige dieser Leute bekannt vor? Nicht ohne Grund, sie sind prominent...

Erstsemesterin
Erstsemesterin
                                                                                  
Catalog
Obersemester
Obersemester
Schnupperkurs
Schnupperkursler bei Vorübung am Zettelkatalog
Erfahrene Spitzensemesterin
Erfahrene Spitzensemesterin



B. Eversberg, 2004-11-01