Schnittstelle Z39.50 für das System allegro |
Nachdem die Genehmigung im Vorjahr erfolgt war, ist
es kurz darauf gelungen, einen geeigneten Projektbearbeiter zu
finden. Es handelt sich um Herrn Dipl.-Ing. Cord Veltkamp. Die
Arbeit konnte am 1.7.96 aufgenommen werden. Die nunmehr vorliegenden
Ergebnisse sind die folgenden: (wobei der Projektbearbeiter wesentlichen
Anteil hat an den ersten zwei und dem letzten Punkt)
Für die Anwender und das interessierte Fachpublikum
wurden diese Entwicklungen in den allegro news Nr.44 (Jan. 1997)
überblicksartig beschrieben und in eigenen Papieren und HTML-Files
im Detail dokumentiert. Diese Dokumentationen sind per FTP und
auf dem Web-Server frei zugänglich (http://www.biblio.tu-bs.de/allegro/index.htm),ab
August '97 auch auf der CD-ROM der Version 15. Mit diesen Ergebnissen
sind Grundlagen geschaffen worden, die breiter sind, als es die
Zielstellung Z39.50 allein erfordert hätte, die sich aber
nicht von dieser Zielstellung entfernen. Es wurde kurz nach Projektbeginn
erkannt, daß zunächst einmal ein sehr großer
Bedarf für die Einbindung von allegro-Datenbanken in das
WWW bestand, also für einen Zugang von außen mittels
der inzwischen allgegenwärtigen Browser. Innerhalb der vergangenen
12 Monate hat sich der Trend auf breiter Basis durchgesetzt, die
Browser zur eigentlichen Plattform für neue Anwendungen zu
machen. In Verbindung mit der Sprache JAVA ergibt sich dadurch
erstmals die Chance, wirklich 100% plattformunabhängige Programme
zu entwickeln. Kommerzielle Anbieter und Pica (mit der neuen WinIBW
und dem WebOPAC) folgen offenbar mit großem Engagement gleichfalls
diesem Trend.
Es ergibt sich aus den vorliegenden Erfahrungen, daß der
Bedarf für einen Z39.50-Server für den Zugriff auf allegro-Datenbanken
sehr viel größer ist, als die Einbindung von Z39.50-Client-Funktionen
in das allegro-System. Vorhandene, leicht erhältliche Standalone-Clients
(z.B. BookWhere) lassen sich sehr leicht, zumal unter Win'95 oder
NT, mit einem allegro-System koppeln. Ein Server aber ist unbedingt
notwendig, damit in Zukunft in der sich herausbildenden
vernetzten Verbundlandschaft allegro-Datenbanken von überall
her abfragbar werden. Die laufenden Arbeiten sind deshalb darauf
gerichtet, auf der Basis des avanti-Servers diese "Target"-Funktionalität
zu entwickeln. Der avanti-Server muß dazu um weitere interne
Funktionen ergänzt werden.
Anzahl und Vielfalt der bereits in Routine laufenden
und der in Vorbereitung befindlichen Anwendungen belegen, daß
die Projektarbeit schon jetzt einen hohen Nutzen für die
Bibliothekswelt aller Sparten erbracht hat. Die Verbreiterung
des Ansatzes und die notwendige Einbeziehung der Windows-Plattformen
hat es aber mit sich gebracht, daß nun das ursprüngliche
Ziel der Z39.50-Realisierung zum Jahresende 1997 nicht voll erreicht
werden kann. Die Arbeit soll daher fortgesetzt werden.
Ein fortgesetztes Engagement für die allegro-Software
liegt aus mehreren Gründen im Interesse einer großen
Zahl von Bibliotheken, und die UB Braunschweig sieht sich hier
gefordert und ist zu weiteren Eigenleistungen bereit:
Die letzten zwei Punkte sind wichtig, weil Bibliotheksprojekte in der Regel langfristig angelegt sind und Projektträger deshalb die Sicherheit brauchen, daß die Software und das Knowhow dazu langfristig verläßlich verfügbar sind.
Die Unterstützung durch die DFG hat zu einem
günstigen Zeitpunkt eingesetzt, hat wichtige Impulse gegeben
und schon viel sichtbaren Nutzen gestiftet.
Als der Projektantrag gestellt wurde, waren Standalone-Clients für das Z39.50-Protokoll noch fast unbekannt. Innerhalb 1996/97 nahmen diese Programme einen starken Aufschwung, und zwar sind sowohl kommerzielle wie Public Domain-Programme zu haben. In den fensterorientierten Multitasking-Umgebungen, die jetzt Stand der Technik sind, kann ein Z39.50-Client in einem eigenen Fenster ständig bereitstehen. Daten, die er z.B. als MARC-Sätze heranholt, können über die Importschnittstelle in eine "allegro"-Umgebung übernommen werden. Der avanti-Server wurde deshalb mit einfach zu handhabenden Updatingfunktionen ausgestattet, die es nun ermöglichen, auch einzelne Datensätze zum Einspeisen zu übergeben, wahlweise zum Einmischen als neuen Datensatz oder zum Ersetzen (Überschreiben) eines vorhandenen Satzes. Dieser Ansatz erweist sich schon jetzt als flexibler als ein dedizierter Z39.50-Client. Zum Beispiel arbeitet auch die "Braunschweiger Forschungsbibliographie" mit dieser Funktionalität: dabei wird eine allegro-Datenbank über HTML-Formulareingaben mit Daten beschickt. Diese Anwendung hat mit Z39.50 nichts zu tun. Ein anderes Beispiel: über das Z39.50-Gateway der Library of Congress können schon jetzt ohne eigene Client-Software Daten im USMARC-Format per WWW heruntergeladen werden. Diese lassen sich mit vorhandenen Parametern umwandeln und in eine allegro-Datenbank einspeisen.
Für beide Einsatzfälle braucht der Anwender, wie gesagt, kein spezielles Client-Programm, sondern nur einen Browser. Nachdem die Web-Browser in der letzten Zeit einen enormen Aufschwung erlebt haben, wobei insbesondere mit Java auch diffizile Funktionen in Web-Dokumente und Formulare verpackt werden können, ist nunmehr die Tendenz eindeutig, keine Client-Software lokal zu installieren, sondern wo immer möglich alle Funktionen des Zugriffs auf entfernte Datenbanken in HTML/Java zu verlegen. Das bekannteste Beispiel im Bibliothekswesen ist der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK).
Wegen der neuen Programmiermöglichkeiten wird in Zukunft die Arbeit mit allegro-Datenbanken immer weniger unter einer vom Entwickler vorgegebenen Oberfläche stattfinden, sondern es wird unterschiedliche Clients geben, zum Teil von Anwendern selbst programmiert oder angepaßt. Exemplarisch ist ein solcher, und zwar nach aktuellem Stand der "Windows"-Technik, schon im Projekt entwickelt worden. Dieser Client bietet die Möglichkeit des Ausbaus sowohl in Richtung auf mehr allegro-Funktionalität unter Windows als auch auf integrierte Z39.50-Funktionalität.
Insgesamt zeigte sich, daß die "Origin"-Funktionalität
für ein so offenes und in der Praxis in so unterschiedlichen
Anwendungen arbeitendes System wie allegro nicht auf einen einzigen
programmtechnischen Ansatz beschränkt bleiben sollte, auch
wenn dies schneller erreichbar gewesen wäre. Der jetzt erreichte
Stand bietet für die Praxis mehrere Optionen, vor allem auch
für Entwicklungsarbeiten andernorts, unabhängig von
der UB Braunschweig. Anwender werden durch allegro nicht auf eine
bestimmte Arbeitsweise festgelegt.
Viel wichtiger als zu Beginn des Projekts erweist
sich jetzt, wie schon bemerkt, daß allegro-Datenbanken für
Z39.50-Systeme als Target ansprechbar werden. Die Web-Anbindungen
sind dafür keineswegs ein vollwertiger Ersatz, weil sie nur
individuell genutzt werden können. Jeder WWW-Katalog hat
seine eigene Eingabemaske und seine eigenen Darstellungsformen
für die Ergebnisse. Ziel ist dagegen, daß ohne Kenntnisse
der lokalspezifischen Besonderheiten eine Abfrage in standardisierter
Form an eine allegro-Datenbank geschickt werden kann, und daß
die Ergebnisse in wohldefinierter Form geliefert werden, etwa
als MARC- oder MAB-Datensatz oder als ISBD-Aufbereitung. Speziell
für diese Aufgabe ist es notwendig, die aus DBV-OSI hervorgegangenen
Quellprogramme zu nutzen. Zeitaufwendiger als zunächst vorhersehbar
erwies sich, die SIL-Quellen zum Einsatz zu bringen, und zwar
weil diese nur für UNIX-Plattformen entwickelt worden waren.
Die allegro-Anwenderschaft arbeitet aber nur zu einem sehr kleinen
Teil auf UNIX-Maschinen, und ganz allgemein gewinnt ja Windows'NT
(wenn nicht gar '95) in den kleinen und mittleren Institutionen
wegen der erheblich geringeren Kosten an Boden. Eine vor kurzem
angestellte Umfrage unter den Anwendern hat das deutlich bestätigt
(Bericht darüber in allegro news Nr. 47). Zumal der avanti-Server
als wichtige Komponente bereits auf allen genannten Plattformen
arbeitet, muß unbedingt darauf hingearbeitet werden, die
Z39.50 Target- Funktion auch auf NT bereitstellen zu können.
Die Zahl der potentiellen Nachnutzer erhöht sich dadurch
beträchtlich. Target- Funktionen der einfachen Art, wie sie
bisher in den bekannten Z39.50-Gateways der Deutschen Bibliothek
und der Library of Congress zu finden sind, sollen noch in 1997
erstellt werden. Dann können allegro-Datenbanken auch über
solche Gateways zugänglich gemacht werden.
Ebenfalls in den letzten Monaten hat sich durch die
Sprache JAVA in der DV-Welt ein Umbruch mit großer Tragweite
angebahnt. Wie schon oben angedeutet, sind nun maßgeschneiderte,
aber dennoch plattformunabhängige Programme mit Client-Funktionen
zum Zugriff auf allegro-Datenbanken in greifbare Nähe gerückt,
und zwar sowohl Internet- (HTML-) Anwendungen als auch eigenständige
Programme, die mit dem avanti-Server über "Sockets"
kommunizieren. Die Grundlagen sind gelegt, die ersten Musteranwendungen
bewähren sich in der Praxis. Wichtig ist, die neuen Methoden
für Programmierer noch besser zu erschließen und nachnutzbar
zu machen.
Die Projektarbeit wurde in engem Kontakt mit der Praxis durchgeführt und hat die aktuellen Trends der DV-Entwicklung berücksichtigt, insbesondere das Web und NT neben UNIX als Plattform. Daraus ergeben sich einerseits Lösungen, die schon jetzt im Einsatz sind, andererseits ein größeres und längerfristiges Nutzungspotential für die Zukunft. Die logische Folge war eine Ausweitung der Arbeiten, so daß in dem ursprünglich geplanten Zeitrahmen nicht alle projektierten Leistungen abgeschlossen werden können. In einem Zeitraum von weiteren 12 Monaten soll das Projekt einen weitgehenden Abschluß finden.
Vorgesehen ist ferner, die Arbeitsergebnisse auf
Tagungen vorzustellen. Noch in diesem Jahr wird es dazu in Bonn
und in Wolfenbüttel Gelegenheit geben. Im dritten Quartal
1998 soll das Thema Z39.50 speziell und Internet-Anwendungen allgemein
den Schwerpunkt bilden auf dem allegro-Jahrestreffen in Braunschweig.
Das Interesse hat aber in jüngster Zeit so stark zugenommen,
daß wohl noch ein weiteres Treffen zu einem früheren
Zeitpunkt organisiert werden sollte.
Alle Dokumentationen werden über das WWW und
FTP verfügbar gemacht, die aktuelle Information der Anwender
erfolgt über die E-mail-Liste.