Wechseln zwischen alter und neuer Rechtschreibung?

Die pragmatische Lösung für Web-Texte

Wechseln zur neuen Rechtschreibung

Wer heute Texte ins Netz stellt, muß mit einem ärgerlichen Konfliktpotential leben: Einigen Lesern sticht "daß" unangenehm ins Auge, genauso "muß" usw., andere können "dass" nicht ausstehen.
Die gute Nachricht: Es gibt eine pragmatische und schnelle Lösung für HTML, die dem Leser Spaß macht. Ein Mausklick und er ist zufrieden.
Die noch bessere Nachricht: Jeder kann die Lösung einsetzen, ohne vorhandene Texte überarbeiten zu müssen und ohne seine Schreibgewohnheiten zu ändern.

Dazu braucht man nur zwei Dinge zu wissen:

1. Niemand außerhalb der Schulen muß reformiert schreiben, weder jetzt noch künftig, und das ist amtlich (Verfassungsurteil von 1998).
2. Niemand kann die noch, wieder oder nicht mehr gültigen Varianten noch auseinanderhalten, aber wegen Punkt 1 brauchen das nur Lehrer zu können und nur Schüler zu lernen. Fehlerhafte Zusammen- oder Kleinschreibungen bemerkt deshalb fast niemand - es könnte ja doch eine zulässige Alternative sein! Wirklich bemerken kann jeder und zwar in jedem Text das einzige so gut wie immer vorkommende Signal und Markenzeichen der Reform, die Endung ss. Daß dies manchem unangenehm ist, muß man akzeptieren. (Vor der Reform konnte kein Wort mit -ss enden, außer in der Schweiz.)


Die pragmatische Lösung ist deshalb diese: (genaue Kurzbeschreibung unten)

Man baut in die HTML-Dateien der Texte ein JavaScript ein und plaziert an geeigneter Stelle den Link "Wechseln ...", wie Sie es auch bei diesem Text oben rechts sehen.
Den Text schreibt man in gewohnter Weise, wie es laut Punkt 1 rechtens ist und wie es viele Leser auch noch immer tun, diejenigen also, denen "dass" unsympathisch ist.
Das JavaScript wird aktiv, wenn man auf den Wechseln-Link klickt: es verwandelt "daß" in "dass" und ändert auch noch einige andere, häufig vorkommende Dinge. Dann sind die zufrieden, denen "daß" sauer aufstößt.
An den Getrennt- sowie Groß- und Kleinschreibungen ändert das JavaScript nichts! Warum auch, darüber liest so gut wie jeder eilig hinweg - und darum geht es doch - denn wegen Punkt 2 hält sich fast niemand mehr damit auf. Und die Kommaregelung ist nun keiner Rede und keiner Anpassung mehr bedürftig.

Das besagte JavaScript sehen Sie hier:
http://www.allegro-c.de/zeug/pragma.js
und man kann es leicht in jede HTML-Datei einbauen.

Weitere Vorteile der pragmatischen Lösung:
a) Wenn Sie weiterhin in gewohnter Weise schreiben, wahren Sie die Kontinuität und Konsistenz  Ihrer Texte! Das ist wichtig z.B. für den Sucherfolg in Google, aber auch für die elektronische Verarbeitung ganz allgemein, denn dabei stört Inkonsistenz sehr. Die Prüfsoftware z.B. in Word ist für alte Schreibung übrigens besser, denn sie ist strukturell leichter prüfbar.
b) Sie erreichen ein wichtiges Stück Barrierefreiheit. Denn ist es nicht eine Barriere, wenn immer ein Teil Ihrer Leserschaft unzufrieden ist, und das zu Recht? Zu beachten ist dabei aber auch, daß Vorleseprogramme mit neuer Rechtschreibung weniger gut klarkommen als mit alter. Das liegt daran, dass die neue Rechtschreibung weniger Wert auf eine Differenzierung der Schreibweise nach dem Sinn der Wörter legt. Und wer spricht denn "selbstständig" wirklich so aus, oder "fertig stellen" als zwei getrennte Wörter?
c) Das JavaScript kann in Zukunft weiter verbessert oder verändert werden, ohne daß Sie an Ihren Texten etwas tun müssen.
d) Und wenn am Ende eine Reformvariante X wieder alle alten Schreibweisen als Alternativen zuläßt: JavaScript wieder raus, und das war's.

Auf der sicheren Seite sind Sie deshalb weiterhin wirklich nur mit alter Rechtschreibung. Wenn Sie z.B. 1996 schon mit Neuschreibung angefangen hatten, dann haben Sie jetzt bereits zwei Sorten von Altlasten am Hals. Und die gegenwärtige Reformvariante, nur darauf kann man sich verlassen, wird nicht die letzte bleiben.

Sie müssen Texte für den Schulgebrauch bereitstellen? Dann machen Sie es genauso. Für Schüler ist es lehrreich, den Wechsel zwischen alt und neu interaktiv zu erleben, und Lehrer haben anderes zu tun, als sich den Rest genauer anzuschauen.

Ein weiteres Beispiel, einen viel längeren Text, können Sie sich hier anschauen.


Kurze Anleitung   (Modifikationen jeder Art sind natürlich freigestellt):

1. Die Datei  pragma.js  auf das eigene HTML-Textverzeichnis kopieren.
Technischer Hinweis: Für den Fall, daß man seine Daten in UTF-8 codiert hat, sind in diesem Skript für ß zusätzlich die Codes ├ƒ eingebaut
(das sind die Codes  195 159 = 0xc3 0x9f )

2. In den Kopf jeder damit auszustattenden HTML-Datei diese Zeile einfügen:

  <script language="JavaScript" src="pragma.js"></script>

3. Oberhalb des betroffenen Textes diese Zeile für den JavaScript-Aufruf einbauen:

<div id="change" align="right"><a href="javascript:Flap()"><i>Wechseln zur neuen Rechtschreibung</i></a></div>

4. Den betroffenen Text selbst so einschließen:

<div id="inhalt">
 ... Text ...
</div>


© B. Eversberg, 2007