20200916 Besorgte allegro-Anwender fragen: Was können wir tun? (Aktualisierung einer Bekanntgabe vom 14.11.2016 und 15.05.18) Zwar ist das Thema "Wie geht's weiter mit allegro" oftmals schon erörtert worden und es gab allerhand Information dazu. Trotzdem werden Fragen gestellt und man hört in Gesprächen heraus, daß man noch keinen richtig zufriedenstellenden, beruhigenden Überblick über die Möglichkeiten hat, was man tun könnte oder sollte oder vielleicht gar nicht zu erwägen oder zu befürchten bräuchte. Deshalb nochmal eine aktualisierte Zusammenfassung des momentanen Stands der Dinge: (und bitte nachfragen, wenn was unklar erscheint) Wer seine allgemeinen allegro-Kenntnisse auffrischen will, sei nochmals auf die Fortbildung 2019 hingewiesen: http://www.allegro-c.de/download/doku/Fortbildung2019.htm Da steht vieles drin über alle relevanten Themen in einer ohne Vorkenntnisse verständlichen Sprache. Ganz grob lassen sich zwei Gruppen unterscheiden, nennen wir sie A und B: Gruppe A. Man ist schon entschlossen: Weg von allegro, so schnell wie möglich ====================================================================== 1. Verbundbeitritt ------------------ Sicher wird jede halbwegs nennenswerte Spezialbibliothek mit offenen Armen empfangen. Geht es nur um Katalogisierung, dann ist es kein großes Problem. Will man auch Ausleihe und/oder Erwerbung oder sogar Zeitschriftenverarbeitung, wird's schwieriger und teurer. Über die möglichen Wege gibt jeder Verbund gern Auskunft, auch wenn man nicht im jeweiligen Bundesland lokalisiert ist. Klar ist jetzt, daß die Verbünde für den lokalen Einsatz künftig auf FOLIO setzen. Es wäre verdienstvoll, wenn sich auch mal andere melden würden, damit die interessierten Anwender sich gezielt erkundigen oder auch bei einem Besuch ein Bild machen können. Bei den Verbünden kann man aber mal nach Referenzen fragen, das kostet nichts. 2. Wechsel zu Koha ------------------ Noch ist aber KOHA beim SWB das System der Wahl für Anwender, die dem SWB beitreten wollen: https://www.bsz-bw.de/Koha.html Einen ausführlichen Erfahrungsbericht von 2017 gibt es hier: http://aspbtagung.de/wp-content/uploads/2017/11/ASpB_Tagung_Von-allegro-C-zu-Koha.pdf Vom SWB kann man immer noch Hilfe erhalten, wie es etliche Anwender schon getan haben. Ein Migrationspaket soll schon existieren, das gerade den allegro-Standardanwendern dann den Wechsel sehr erleichtern könnte. Alle Bibliotheken der Auslands-Goethe-Institute (knapp 100) wurden bereits nach und nach von allegro auf Koha umgestellt: https://www.bsz-bw.de/bibliothekssysteme/koha.html Viele davon sind mit Koha am Netz. Noch immer ist zu bedauern, daß sehr wenig Konkretes berichtet wurde (bes. von denen, die die Alltagsarbeit machen) über den Umstieg von allegro zu Koha und die vergleichenden Erfahrungen mit dem System. Bei einer Fortbildung 2017 in Potsdam waren dazu aber eine "Vergleichende Gegenüberstellung" mit allegro publik gemacht: http://www.allegro-c.de/download/doku/algokoha.htm 3. Wechsel zu was auch immer - Es koste, was es wolle ----------------------------------------------------- Es gibt kommerzielle Systeme. Die Firmen helfen wohl auch bei der Migration. Man gewinnt schwer einen Überblick, sondern wird sich wohl am besten direkt an die Firmen wenden. In der Literatur findet man aus den letzten Jahren nur einen Bericht: https://journals.univie.ac.at/index.php/voebm/article/view/2127/1711 über eine Migration von Alephino zu Alma. ================================================================= Gruppe B -------- Diese Gruppe würde gern noch länger bei allegro bleiben, hat aber Sorgen, daß es auf einmal unlösbare Probleme geben könnte und keine Unterstützung mehr. ====================================================================== 4. Weitermachen, aber mit V40.3 ------------------------------- Ängste sind unbegründet. Im aktuellen Paket V40.3 (24.08.2020) sind keine Probleme mehr gefunden worden. Wenn man schon z.B. mit einer V12 zwanzig Jahre und mehr arbeiten konnte und noch immer kann, wie es vor kurzem erst bekannt wurde, wieviel mehr gilt das dann auch für die V40.3. Und die genannten zwanzig Jahre hat man auch ohne Inanspruchnahme des Chefentwicklers überstanden! (Der letztere ist aber noch da und wird auch Probleme beheben, falls solche in V40 noch entdeckt werden sollten und sonst keiner helfen kann.) 5. Weitermachen, aber mit a35 und Linux --------------------------------------- Es gibt jetzt bereits namhafte Anwender, die auf Windows und a99 verzichten, ihre Daten unter Linux verwalten und alle Zugriffe, auch das Katalogisieren selbst, über a35 laufen lassen. Auf diese Weise kann man sich also schon jetzt von Windows ganz unabhängig machen, wenn man dies denn als notwendig oder klug ansieht. Wenn's nur um den OPAC geht, hat man ohnehin schon jetzt auch mit Windows die Option VuFind, dazu braucht man alcarta oder PHPAC oder a35 nicht, sondern VuFind hat sich dafür schon bewährt: http://www.allegro-c.de/download/doku/vufind/installieren.htm Für Admin-Aufgaben wurde der al.job geschrieben, mit dem man auch für Verwaltungsarbeiten wie z.B. Indexerneuerung gut auf Windows verzichten kann. Schon länger gibt es den update.job für das Einspeisen von Fremddaten u.a. Hier ist dank der Skriptfähigkeit mit FLEX noch viel Potential für Erweiterungen, ohne daß der Chefentwickler gebraucht würde. 6. Weitermachen, aber doch schon mal nach anderen Lösungen sondieren -------------------------------------------------------------------- Dabei kann man sich Zeit nehmen! Weil aber so wenig veröffentlicht wird, sollte man Bibliothekartage und andere Events besuchen, wo vielleicht was berichtet wird oder man Leute trifft, die mit Entwicklungen oder Migrationen zu tun haben, bes. auch die Stände der DNB und der Verbünde dann besuchen sowie auch Bibliotheken, von denen man erfährt, daß sie was vorhaben oder schon umgesetzt haben. Einer der Supporter, Herr Klaus Lehmann, hat selber einen Stand auf jedem Bibliothekartag. Haben Sie keine Scheu, sich unverbindlich mit ihm zu unterhalten! Dabei ist gut zu wissen: Die jetzige Software wird laufen, solange Windows-Software überhaupt irgendwo laufen kann. Und der Bedarf für Systeme, die das ermöglichen, wird auch 2022 nicht plötzlich verschwinden, sondern 100e Millionen Anwender bleiben darauf angewiesen, auch wenn Microsoft selber die Unterstützung gänzlich einstellen würde, was unwahrscheinlich ist. Es wird also, kurz gesagt, auch über 2022 Systeme geben, auf denen V40.3 laufen kann, Microsoft hin oder her. (Auch PRESTO von V12 läuft noch in einer DOS-Box, obwohl Microsoft das nicht unterstützt.) "Andere Lösungen", damit ist nicht nur Koha gemeint, sondern auch, daß mit Sicherheit OpenSource-Lösungen und andere kommen werden, die auf zeitgemäße Konzepte bauen, also z.B. die Megatrends RDA und BIBFRAME voll integrieren, mitsamt "Linked Data" und "OpenData" und "WorldCat" und dergleichen Bestrebungen. Ein solches im Kommen befindliches System ist FOLIO (früher Kuali). Daran sind GBV und HBZ aktiv beteiligt und viele namhafte Bibliotheken weltweit. Vermutlich wird man auch in der Koha-Community noch oder schon in der Richtung denken und arbeiten. Wenn diese Systeme voll präsent sind, was nur wenige Jahre noch dauern kann, werden sie alles jetzt Bestehende obsolet machen! Und das bedeutet, daß man eine *weitere* Migration auf sich wird nehmen müssen, wenn man schon *jetzt* oder bald allegro hinter sich läßt und nicht noch abwartet. Noch Fragen, Meinungen, Hinweise, Sorgen, Richtigstellungen? ------------------------------------------------------------ Bitte an mich direkt, wenn Sie sich im Forum nicht exponieren wollen. Ich nehme die Sorgen, wo es sie noch gibt, ernst und sehe mich in der Verantwortung, mich aktiv darum zu kümmern. Nicht verlassen auf Hörensagen, Gerüchte, Kolportagen aus zweitem Mund. Last but not least gibt es ja auch die bekannten Supporter, die ebenfalls bemüht und befähigt sind, unsichere Anwender bei Problemen und auch bei Migrationen zu unterstützen. B.Eversberg