Lukida OPAC
unbekannte Dokumente finden („Discovery“)
Ob die jedoch alle relevant sind, ist eine andere Frage!
Bekannte Dokumente eindeutig und mit Sicherheit zu finden, ist nicht unbedingt gewährleistet. Ein Katalog muß das jedoch können, d.h. "Discovery" im eigentlichen Sinne einer Ausforschung des Unbekannten ist nicht die originäre noch gar einzige Funktion eines Katalogs. (Gemeint sein kann nur das individuelle Unbekannte, nicht das noch niemandem Bekannte.)

bekannte Dokumente finden
Trifft zu, ist aber auch nicht die einzige Funktion
Besser: Wenn Dokument bekannt, dann Auffindung bzw. Verifizierung des Nichtvorhandenseins (!) schnell und mit zuverlässigen Kriterien. Für einen "Dienstkatalog" ist das völlig unabdingbar, da geht es nie um die Entdeckung unbekannter Sachen.
Andererseits: Ist gute Sacherschließung vorhanden, kann auch ein OPAC unbekannte und zwar sogar zutreffende Dokumente auswerfen.
Suchanfrage beschreibt gewünschtes Dokument
"beschreibt" ist ein nicht formalisierbares Kriterium. Es kann viele verschiedene, nicht gleichwertige Beschreibungen geben. Beschreibungen mit Wörtern, die in den Metadaten zu einem Dokument gar nicht vorkommen, können keinen Erfolg haben, aber solche Bescheibungen, und zwar zutreffende, gibt es potentiell viel mehr als erfolgversprechende auf dem Boden der Metadaten und sogar der Textdaten. (Und wenn die "Beschreibung" in anderer Sprache als der des Dokuments abgefaßt ist?)
präzise Suchanfrage
Nicht in jedem Fall nötig. Wenn es alphabetische Register gibt, können die sehr helfen. Zweitens gibt es in aller Regel die Trunkierung.
Besser: Das OPAC-Konzept erlaubt eine präzise Beschreibung der Eigenschaften erwartbarer Ergebnisse, aber auch plausible Begründungen, warum eine Suche keinen Erfolg haben konnte.
einfache Suchanfragen
Gemeint ist: Das Fragen erfordert kaum Kenntnisse.
Oft können Kenntnisse aber trotzdem sehr helfen, sogar im Discovery-System! Man wird nicht suggerieren wollen, das Suchen nach Dokumenten sei stets einfach - diese irrige Meinung fördert Google schon zur Genüge.
spezielle Suchsprachen (Boolsche Operatoren, Klammerung)
Ja, schrecklich! Jedoch nicht für jede Abfrage nötig. Eine Allwort-Suche mit automatischer UND-Verknüpfung und automatischen Trunkierungen bei Nichterfolg kann auch einiges leisten. Die "Suchsprache" (besser "Syntax") ist immerhin eine sehr wertvolle Option. Wie denn überhaupt Kenntnisse immer wertvoller sind als Unkenntnis.
intuitiv benutzbar
Vorsicht! Intuition ohne Kenntnisse führt so schnell in den Irrtum wie ein Glaube ohne Skepsis in den Aberglauben.
Besser: Nutzung relativ schnell erlernbar im Vergleich zum konventionellen Katalog.
Kenntnisse können auch beim Discovery-System durchaus nützen, das dürfte klar sein - es trifft ja nach allgemeiner Erfahrung sogar für Google zu.
Erlernen notwendig
Bibliotheken sind Orte des Lernens. Sollen gerade Kataloge ohne Lernen auskommen müssen?  Wäre es nicht auch von Vorteil, wenn Nutzer in Bibliotheken u.a. auch etwas über die grundsätzliche Nicht-Einfachheit von Suchsystemen lernen könnten? (Mit Ausnahme von Google, klar)
Treffer sind „so gut wie möglich“
Manchmal. Überprüfbar ist das aber wohl selten, die Aussage als solche daher von sehr zweifelhaftem Wert.
Treffer sind „exakt“
... wenn die Frage exakt war und die Daten fehlerfrei sind.
Sonst kann das Blättern in Ergebnismengen und Registern durchaus auch interessante Zufallstreffer liefern ("serendipity"), nach denen man nicht gefragt hatte, die einen aber auf neue Ideen bringen können.
nach Rangfolge sortierte Ergebnisse
... wobei das Ranking ein an der Oberfläche kaum durchschaubarer Prozess ist. Auch an Google wird gelegentlich Kritik geübt, weil es keine andere Art der Sortierung gibt. Als Vorbild ist Google wegen der "gesponserten" Treffer ohnehin begrenzt tauglich.
unsortierte Ergebnismenge
Stimmt nicht, allerdings sind alphabetische Sortierungen heute nicht mehr jedem Nutzer verständlich oder nützlich. Sortierung z.B. nach Datum oder Sprache oder Sachgruppe aber schon.
Fehlertoleranz, kann aber unpassende Treffer liefern
"Treffer" ist eine unpassende Metapher. Was rauskommt, sind Ergebnisse, und die sind nicht immer alle treffend.
keine Fehlertoleranz („0 Treffer“)
Echte Forscher und wissensdurstige Menschen lassen sich nicht abschrecken durch "0 Treffer". Will man wirklich fordern, daß auch dann immer "Treffer" kommen, wenn die eingegebenen Wörter gar nicht vorkommen oder falsch geschrieben sind? Dem Menschen zu ersparen, aus Fehlern zu lernen, ist ein absurdes Bemühen.
gut für offene, große Dokumentbestände 
besser: für schwach strukturierte und wenig normierte, wie es für Google z.B. zutrifft, für Katalogdaten nicht.
gut für abgegrenzte, überschaubare Dokumentbestände
besser: für gut strukturierte und normierte
(Man nutzt womöglich teilweise die Arbeit, die in Struktur und Normierung steckt, für ein Discovery-System gar nicht aus.)
Maschine verwendet Mathematik (Verktorraum)
... allerdings für den Nutzer undurchschaubar, besonders wenn man ihm ersparen will, etwas lernen zu müssen. (Soll hier eigentlich "Mathematik" als abschreckendes Charakteristikum dienen?)
Nutzer verwendet Mathematik (Bool´sche Algebra)
Das ist nicht zwingend notwendig. Die zumeist verwendete ALL-Abfrage überläßt ebenfalls die Algebra dem System. Dem Nutzer wird aber zusätzlich die Chance gegeben, seine Intelligenz einzusetzen. (Der Mann hieß Boole)
Ziel: lösen eines Sortierungsproblems
Gemeint ist wohl Ranking. Streng gelöst wird das Problem allerdings nicht: Objektive, formalisierbare Kriterien für ein Ranking von Dokumenten gibt es nicht. Es ist wie mit der Schönheit: sie liegt im Auge des Betrachters, und keine zwei Betrachter sind gleich.
Ziel: lösen eines Mengenproblems
Das ist nicht wirklich eine treffende Charakterisierung dessen, was ein Katalog tut, sondern recht nebensächlich.
Besser: Ein Katalog ist der Versuch, eine multidimensionale und objektiv sinnvolle Ordnung herzustellen.

Gewiß kann das Discovery-Konzept sehr oft sehr hilfreich sein. Die andersartige Hilfe, die ein Odnungskonzept leisten kann, sollte man dennoch keinesfalls vorschnell aufgeben. Denn der umfangreiche und teure Komplex "RDA und MARC21" ist genau darauf ausgerichtet und damit unsere real existierenden OPACs, während ein vergleichbar umfassend begründeter Konsens für "Discovery" nicht existiert.

(B.Eversberg, Juni 2019)